Die Netzwerke der Bundesliga

Wir haben fast alle Spieleraccounts auf Instagram gefunden und deren Verbindungen zueinander, gegenseitige Verlinkungen auf Bildern und Bildunterschriften sowie gemeinsam gefolgte Drittaccounts in Netzwerken untersucht.

Weit über 90% der Bundesligaspieler besitzen einen Instagram-Account, fast alle sind öffentlich einsehbar.

Wer nicht nur Inhalte produzieren sondern auch konsumieren möchte, folgt dabei in der Regel einer nicht unerheblichen Anzahl anderer Accounts. Unsere ausführliche Inaugenscheinnahme der Spieleraccounts und die Kategorisierung der gefolgten Accounts hat zweifelsfrei ergeben, dass die Spieler überwiegend entgegen dem Klischee vom „durchprofessionalisierten Profi“ persönlich auf Instagram unterwegs sind. Denn sie folgen Accounts zu denen sie einen persönlichen Bezug haben wie Freunden, Familie oder (ehemaligen) Mitspielern und sie folgen Accounts deren Fans sie selbst sind: Rappern, Sportikonen diverser Sportarten (insbesondere Basketball) und verschiedenste Marken (Autos, Uhren, Mode).

Unser Projektschwerpunkt lag auf dem Auslesen der Verbindungen der Spieler untereinander. Da wir davon ausgingen, dass sich die Spieler, ähnlich wie in der übrigen Berufswelt, auch aus Höflichkeit innerhalb der Teams gegenseitig folgen könnten, haben wir die Markierungen auf Bildern und in Bildunterschriften ebenfalls in die Bewertung aufgenommen, um so ein besseres Bild bezüglich tatsächlicher Interaktionen zeichnen zu können.

Wir haben also untersucht, welche Verbindungen der 515 Spieler zueinander bestehen, ob sie auf Gegenseitigkeit beruhen, oder einseitig sind, und wie häufig Spieler gemeinsam in Posts auftauchen. Je mehr dieser Bedingungen in aufsteigender Wichtigkeit erfüllt sind, und je häufiger sie es sind, desto wichtiger werden die Spieler als Knoten im Netzwerk füreinander und desto näher rücken sie zusammen.

Eine Gesamtansicht dieses Spielernetzwerks kann man interaktiv hier auf dieser Website selbst untersuchen. Aus der Ansicht aller Verbindungen zwischen den Spielern lassen sich Rückschlüsse auf Popularität und Vorbildcharakter einzelner Spieler treffen, aus der Ansicht mit lediglich mutuellen (auf Gegenseitigkeit beruhenden Verbindungen, Instagram funktioniert dahingehend wie Twitter: Man kann folgen, ohne gefolgt zu werden) Verbindungen lassen sich hingegen „echte“ Interaktionen eher unterstellen.

Doch was sagen diese Netzwerke eigentlich aus? Nun, in erster Linie, wer mit wem bekannt ist, wer wem sympathisch ist, wer wen bewundert, doch teamintern vor allem: Wer sozial wie gut integriert scheint. Die letzte Aussage ist für uns die interessanteste, birgt sie doch das Potenzial, dem Werkzeugkasten des Sportjournalisten eine neue technische Methode hinzuzufügen.

Tatsächlich, schaut man sich die Netzwerke einzelner Teams an, kann man erkennen, dass Stammspieler und damit Leistungsträger der Teams zentralere Rollen im Netzwerk einnehmen. Gleiches trifft auf Kapitäne und Mitglieder des Mannschaftsrates zu. Auch die Dauer der Teamzugehörigkeit und Muttersprache haben gehörigen Einfluss auf die Verortung innerhalb des Teams: Spieler mit Sprachbarrieren, Neuzugänge und Spieler, die erst vor Kurzem aus der Jugend zu den Profis stießen sind überwiegend am Rand des Netzwerks zu finden. Für Aussagen über die Perspektive eines Spielers innerhalb des Teams ist die Verortung interessant, und damit auch für modernes Spielerscouting.

Noch feingliedriger wird es, bezieht man nicht nur die Verbindungen der Spieler zueinander sowie die gegenseitigen Verlinkungen bei Postings mit ein, sondern auch die gemeinsam gefolgten Drittaccounts, also jene anderer Sportler, Popstars, aber auch Freunde und Familie. Diese Accounts geben eine Unmenge an Informationen über Umfeld und Interessen der Spieler preis, wirken aber im Netzwerk vor allem als Kräfte auf die Spielerknoten ein. Sie ziehen Teamkollegen mit Überschneidungen in Umfeld und Interessen näher zueinander hin, stoßen im Umkehrschluss andere voneinander ab. Ein plakatives Beispiel ist die Menge gemeinsam gefolgter Accounts der Schlotterbeck-Brüder, die in ihrer Eigenschaft als Geschwister im Teamnetzwerk des SC Freiburgs eine besonders hohe Übereinstimmung an gemeinsam gefolgten Accounts besitzen.